Strategien für Mehrtisch-Pokerturniere
Online-Mehrtisch-Pokerturniere bieten für fortschreitende Spieler eine gute Gelegenheit, Geld zu machen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Grund ist, dass ein großer Anteil des Turnierfeldes aus sehr schlechten Spielern besteht, die einfach mal "ausprobieren". Diese Spieler haben praktisch keine Siegchancen. Außerdem erfordern Turnierspiele eine Strategieänderungen, die unter Ringspielern nur wenig bekannt sind. Dazu kommt, dass Online-Turniere viel geringere Nenngelder haben als Live-Turniere. Ein typisches Online-Turnier hat einen Buy-In von 30 Euro und 3 Euro Nenngeld, während ein Live-Turnier um die 10 Euro Nenngeld hat. Wie auch immer, ich weiß, dass es Ihnen in den Fingern juckt, einige Preisgelder einzustecken, also los gehts...
Einstieg
In einem Turnier zahlt jeder Teilnehmer ein festes Nenngeld und wird eliminiert, wenn er alle seine Chips verliert (in einer sogenannten Rebuy-Veranstaltung kann er innerhalb der ersten Stunde Chips hinzukaufen, wann immer sein Stapel unter den Durchschnittswert fällt). Die in einem Turnier verbleibenden Spieler erhalten einen Anteil des gesamten Spieleinsatzes. Bei einem Mehrtisch-Turnier ist die typische Struktur 25-30 % für den Sieger und 15-20 % für den zweiten Platz, abhängig von der Anzahl an gemeldeten Spielern, bis hinunter zu den Top 10, 20, 30, 40 oder 50 Spielern. Normalerweise sind sie Gewinne jenseits der Top 10 in Zehnerstufen strukturiert (das heißt die Spieler auf den Plätzen 11 bis 20 bekommen dieselbe Ausschüttung, ebenso 21-30). Wie gesagt, die Anzahl der honorierten Platzierungen hängt von der Anzahl der Teilnehmer ab. Eine typische Struktur für die Gewinnausschüttung ist wie folgt:
| Anzahl Teilnehmer |
Anzahl Gewinnplatzierungen |
| 10-50 |
Top 5 |
| 51-100 |
Top 10 |
| 101-200 |
Top 20 |
| 201-300 |
Top 30 |
| 301-400 |
Top 40 |
| 401-500 |
Top 50 |
| 501-600 |
Top 60 |
| 601-700 |
Top 70 |
| 701+ |
Top 80 |
Ein wichtiger Umstand, den man sich vor Augen halten muss, ist, dass es sicher besser ist, gerade noch auf eine Gewinnplatzierung zu kommen, aber es ist nicht sonderlich besser. Ihr Ziel bei einem Turnier sollte es immer sein, Ihre Chancen aufs große Geld zu maximieren und das große Geld fängt beim Tisch um das Endspiel an. Wenn Sie bei einem Turnier nicht an den Tisch um das Endspiel kommen wollen, mögen Sie es entweder nicht zu gewinnen oder Sie haben keinen Gefallen an Geld. So oder so sind Sie nicht dafür geschaffen, Pokerturniere um Geld zu spielen.
Auf den ersten Stufen eines Turniers sind die Blinds im Vergleich zu Ihrem Stapel gering, daher sollten Sie das Turnier spielen wie ein zweitrangiges Spiel. Denken Sie daran, dass eine Menge trotteliger Gegner frühzeitig haufenweise zocken wird, daher müssen Sie eintauchen und nach Möglichkeit einige ihrer Chips ergattern. Aber fallen Sie nicht über Bord und spielen Sie keine Hände, von denen Sie genau wissen, dass Sie sie nicht spielen sollten. Während der ersten paar Stufen von Blinds spielt sich das Turnier ähnlich einem lockeren Ringspiel; verstellen Sie Ihre Strategie also noch nicht.
Mit der Erhöhung der Blinds ändern sich die Dinge. Auf Grund der Gefahr, aus dem Turnier eliminiert zu werden, sollte Ihre Strategie sich leicht, aber signifikant entfernen vom risikofreudigen Spiel, wann immer alle Ihre Chips auf dem Spiel stehen. Durch diese Spielarten können Sie im Durchschnitt mehr Chips dazu gewinnen ("erhöhen Sie Ihre Erwartungen"), aber im Falle eines zusätzlichen Risikos, im Turnier Pleite zu gehen, sind sie es nicht wert. Wenn zum Beispiel Ihr Gegenspieler in einem nebensächlichen No-Limit Hold'em mit farbgleichen A-K all-in setzt und Sie seine Hand kennen, gehen Sie mit zwei Damen mit, denn die Wahrscheinlichkeiten stehen 54 % zu 46 % zu Ihren Gunsten. Im Rahmen eines Turniers jedoch gibt es viele Situationen (besonders gegen Ende der Veranstaltung), in denen Sie diesen Spielzug nicht machen sollten, weil er Ihre Erwartungen nur leicht erhöht, dafür aber ein signifikantes Risiko darstellt, Pleite zu gehen und somit aus dem Turnier zu fliegen. Sie müssen jedoch berücksichtigen, dass Ihre Gegner zwar mit Händen wie Q-Q nicht passen werden, aber ebenso wenig riskieren wollen, Pleite zu gehen, und es deshalb nicht wahrscheinlich ist, dass diese mit mittelmäßigen Händen bei Erhöhungen vor dem Flop oder bei Flop Einsätzen mitgehen werden, da sie befürchten, alle ihre Chips zu verlieren.
Worauf läuft das alles hinaus? Turniere, insbesondere No-Limit-Veranstaltungen, favorisieren in starkem Maße Personen, die Einsätze machen, und zwar wesentlich mehr als in zweitrangigen Spielen. Das bedeutet, dass Ihre Strategie eine starke Betonung von Bluffs aufweisen sollte, um Pötte zu gewinnen, aber Sie sollten selten mitgehen. Die meisten Hände bei Turnieren laufen auf setzen-oder-passen hinaus, es sei denn, Sie sind der Meinung, dass Ihre Hand einen massiven Vorsprung hat und Sie Ihren Gegner zum Verbluffen seiner Chips verlocken möchten. Wenn Sie hingegen weniger als gewaltig die Nase vorne haben, würden Sie doch lieber den Pott einstecken als Ihren Gegnern eine Gelegenheit zu geben, durch einem Glücksfall alle Ihre Chips zu gewinnen. Das bringt uns zum nächsten Gedanken:
Gewinnen Sie die Pötte ohne einen Showdown, wann immer dies möglich ist
In den meisten Turniersituationen (außer in den sehr frühen Abschnitten der Veranstaltung) gilt: Wenn Sie die Wahl haben, einen mittelgroßen Pott ganz sicher zu gewinnen (der Gegner passt) oder einen großen Pott sehr wahrscheinlich zu gewinnen (der Gegner geht bei einem hohen Einsatz mit), sollten Sie die erste Variante bevorzugen, es sei denn, die Wahrscheinlichkeit, den Pott zu gewinnen ist derart hoch, dass Ihr Gegner mit seinem Mitgehen ganz offenbar schlecht spielt. Die Situationen, in denen Ihre Hand entsprechend stark ist, dass der Gegner keine vernünftige Chance hat, sie zu stechen, sind selten. (Anders ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit bei zwei Assen vor dem Flop ist groß genug, um Ihren Gegner all-in mitgehen zu lassen, aber mit zwei Damen sollten Sie es vorziehen, den Pott sofort zu bekommen, sogar wenn Sie wüssten, Ihr Gegner hält A-J, was Ihrer eigenen Hand stark unterlegen ist.) Tendieren Sie in einer engen Turniersituation dazu, Spieler aus dem Turnier zu befördern und den Pott gleich zu gewinnen, anstatt ihnen eine Chance zu bieten, aufzuholen.
Zu Beispiel: Sie haben A-K und der Big Blind hat T-9 in Hold'em. Das angemessene Spielverhalten ist, all-in zu gehen und darauf zu hoffen, dass er passt. Es ist richtig: Falls er mit dem all-in mitgeht, sind Sie immer noch der deutliche Favorit gegenüber seinem T-9, aber solange die Blinds einen signifikanten Anteil Ihres Stapels ausmachen, sollten Sie es bevorzugen, dass er passt. (Übrigens heißt das nicht, dass Sie mit T-9 auf der Hand all-in mitgehen sollten, es sei denn, Sie sind der Spieler mit den deutlich wenigsten Chips. Sie schaden Ihrem Gegner, aber Sie schaden sich selbst umso mehr. Siehe unter "Geld verdienen durch Zuschauen" weiter unten. Im übrigen mag Ihr Gegner ein großes Paar haben, wenn er derart erhöht, in welchem Fall es unsinnig ist mitzugehen.) Beachten Sie, dass Sie davon ausgehen müssen, dass Ihr Gegner ebenfalls immer den für ihn richtigen Zug macht. Dies ist ein Verstoß gegen die grundlegenden Pokerprinzipien. Es ist die Turnierlogik. Das ist der Grund, warum Sie da reingehen und massenweise erhöhen müssen: Ihre Gegner wissen, dass sie sich selbst schaden, wenn sie versuchen, Ihren Bluff mit weniger als einer großartigen Hand aufzudecken.
Sich darauf zu verlassen, am Ende die beste Hand aufzudecken, macht Sie anfällig gegenüber einer potentiell verheerenden Kartenkombination. Machen Sie sich den Wunsch der anderen Spieler, nicht Pleite zu gehen, zum Vorteil.
Das Differenzkonzept - Gap Concept
Das Differenzkonzept ist im Prinzip ein Ausdruck der Tatsache, dass es in einem Turnier besser ist, Einsätze zu machen, als mitzugehen. Im Grunde läuft es darauf hinaus: Um in einem straffen Pokerspiel mit einem Einsatz mitzugehen, muss Ihre Hand viel besser sein als wenn Sie selber einen Einsatz in den Pott machen.
Die Begründung dafür ist analog dem Grund, dass Sie eine bessere Hand brauchen um mitzugehen als um selbst einen Einsatz zu machen bei einem Pott mit wenigen beteiligten Spielern. Wenn Sie selbst einen Einsatz machen, können Sie gewinnen, indem Sie die beste Hand aufdecken, aber auch wenn alle anderen passen. Wenn Sie mitgehen, haben Sie nur die erste Möglichkeit, den Pott zu gewinnen. Wenn Sie vor dem Flop einen Einsatz machen, können Sie den Pott stehlen (den Zwangseinsatz und/oder die Blinds) und zusätzlich am Ende die beste Hand haben. Wenn Sie jedoch mit einem Einsatz mitgehen, können Sie nur hoffen, am Ende die beste Hand zu haben. (Sie können versuchen zu bluffen, aber in den späteren Turnierabschnitten kostet Sie es in der Regel alle Ihre Chips, nur um Ihren Gegner korrekt zu deuten, was dies zu einer sehr schwachen Spielweise macht.) Der Unterschied zwischen der Qualität Ihrer Hand, mit der Sie selbst einen Einsatz machen würden, und der Qualität, mit der Sie mit einen fremden Einsatz mitgehen würden, wird "Gap" oder "Differenz" genannt.
Wenn Sie in einem Turnier mitspielen, ist der "Gap" normalerweise am Anfang sehr klein oder geradezu nicht-existent, da jeder locker spielt und die Blinds klein sind. Aber sobald die Blinds 5-10 % der durchschnittlichen Stapels ausmachen, ziehen die Spieler deutlich die Zügel an und Sie müssen sich unter Verwendung des Differenzkonzepts anpassen. Zu Beispiel: In einem Spiel, in dem die meisten straff spielen, sollten Sie bei Hold'em mit farbgleichen Q-J in Mittelposition auf jeden Fall einen Einsatz erwägen, wenn Sie damit der erste wären, ebenso bei einem Paar Fünfen in derselben Position. Der Einsatz basiert auf dem vereinten Wert der Hand selbst sowie des Potentials, mit ihr die Blinds zu stehlen. Dahingegen sollten Sie in derselben Position und mit vergleichbaren Händen niemals mit einem Einsatz mitgehen; dafür bräuchten Sie eher etwas wie A-K, ein Paar Zehnen oder besseres. (Und falls Sie doch spielen, dann gehen Sie nicht mit, sondern Erhöhen Sie den Einsatz weiter.)
Mit dem Fortschreiten im Turnier steigt die Wichtigkeit des Differenzkonzepts. I sehe dauernd Online-Spieler, die in der Schlussphase eines Turniers mit Einsätzen mitgehen, obwohl sie Karten auf der Hand haben, mit denen sie niemals selbst einen Einsatz machen würden. Sie werden ohne Ausnahme an den Spielfeldrand verschlagen, bevor um das große Geld gespielt wird.
Das Stehlen von Blinds in der Late Position
Wie Sie bemerken werden, machen die meisten guten Turnierspiele in späten Turnierabschnitten fast automatisch Einsätze, wenn andere vor ihnen passen oder sie Kartengeber sind oder neben dem Kartengeber sitzen. Obwohl ich kein derart automatisches Spiel empfehlen will, sollten auch Sie so spielen, solange Sie wenigstens einen bescheidenen Stapel besitzen. Die Spieler in den Blindpositionen fürchten in der Regel eine Eliminierung und werden mit den meisten Händen lieber die Blinds aufgeben als Ihnen eine Gelegenheit geben, sie in einer Kopf-an-Kopf Situation bankrott zu spielen, wenn sie in der Wettrunde vor Ihnen handeln müssen.
Umgekehrt, wenn Sie in einer Blindposition sind und jemand in einer Late Position macht einen Einsatz, der nach einem Blindsteal aussieht, befinden Sie sich in einer Erhöhen-oder-Passen Situation. Wenn Sie in der Wettrunde vor den anderen handeln müssen, wollen Sie keinen großen Pott Kopf-an-Kopf spielen, wenn es unwahrscheinlich ist, dass Sie sich nach dem Flop mit Ihrer Hand sehr zuversichtlich sein können. Angenommen, der Big Blind ist wenigstens zehn Prozent Ihres Stapels, dann würde ich an Ihrer Stelle alle Chips einsetzen bei einem beliebigen Paar oder A-J oder etwas besserem (und möglicherweise auch mit ein paar schwächeren Händen). (Seien Sie aber bei einem Einsatz aus der Early oder Middle Position viel vorsichtiger.) Wenn ich den Eindruck hätte, der Einsatz kam von einem Spieler ohne gutem Blatt und ohne einen riesigen Stapel, würde ich auch oft mit all-in Einsätzen bluffen, da die Wahrscheinlichkeit gering ist, mit solchen mitzugehen, ausgenommen bei einem großen Stapel oder einer entsprechenden Hand. (Machen Sie solche Spielzüge nicht wahllos. Wenn der Spieler, von dem der Einsatz kommt, schon lange keine Hand mehr gespielt hat, sind seine Karten wahrscheinlich gut genug zum Mitgehen, selbst wenn er mit einem Blindsteal konfrontiert ist, oder sie sind sogar großartig.)
Ich mache diesen Spielzug, weil ich keine Angst habe, ohne Preisgeld aus dem Turnier zu scheiden, solange ich meine Chancen auf den großen Preis wesentlich verbessern kann. In einem Turnier sollten Sie darum spielen, den großen Preis zu gewinnen, nicht einen geringen Profit sicherzustellen, indem Sie super straff spielen. Wenn es Ihr Ziel ist, drei Stunden lang in einem Turnier zu spielen, um am Ende 3 Euro mehr zu erhalten als das Nenngeld, dann sollten Sie das auf alle Fälle anstreben. Ich jedenfalls werde um das Gold kämpfen.
"Bubble" Spiel
Das super straffe Spiel "on the bubble", also die Spielphase, in der nur noch wenige Spieler ausscheiden müssen, bis die Geldränge erreicht sind, ist einer der großen Vorteile eines guten Turnierspielers. Nutzen Sie ihn.
Ein Turnier ist "on the bubble", wenn die Anzahl der verbleibenden Spieler sich der Auszahlungssperre nähert. Zum Beispiel: Wenn das Turnier 40 Plätze prämiert und 60 oder weniger Spieler übrig sind, können Sie davon ausgehen, dass die Verhältnisse an den Tischen sich signifikant ändern werden. Was Sie als erstes bemerken werden, ist, dass Spieler mit kleinen Stapeln absichtlich auf Zeit spielen werden, sobald Sie an der Reihe sind, in der Hoffnung, dass an anderen Tischen schneller gespielt wird und dort mehr Spieler ausscheiden und sie selbst somit quasi im Leerlauf auf einer Prämienplatzierung landen. Diese Spielethik ist sicherlich zweifelhaft und wenn sonst alle Umstände gleich wären, würde ich vorzugsweise auf Websites wie PokerStars spielen, die eine "Zeitbank" implementieren, so dass ein Spieler nur eine bestimmt Zeit warten kann, wenn er an der Reihe ist. Leider sind die Umstände nicht gleich, denn die zwei für Mehrtisch-Turniere profitabelsten Websites (PartyPoker und UltimateBet) erlauben das Spiel auf Zeit; daher müssen Sie dies hinnehmen, wenn Sie Ihre potentiellen Turnierprofite maximieren möchten.
Da die Spieler mit kleinen Stapeln gerade jetzt nicht Pleite gehen wollen, werden sie ultra straff spielen. Seien Sie großzügig beim Stehlen ihrer Blinds. (Versuchen Sie jedoch nicht, den Blind von einem Spieler mit einem unglaublich kleinen Stapel zu stehlen, etwa 1200 Chips, wenn er gerade 1000 in den Blind gesetzt hat. Er wird mit Sicherheit mitgehen. Wenn die Blinds 500-1000 sind, sollten Sie beim Blindsteal Stapel in Größe von 3000-6000 Chips anvisieren.) Wenn ein Spieler am Pott dran bleibt, was in der Regel bei all-in Einsätzen in No-Limit Spielen der Fall ist, wird er eine starke Hand wie A-K oder ein hohes Paar haben. Solange er jedoch selbst keinen Einsatz gemacht hat, müssen Sie nicht von einer solchen Hand ausgehen. Nehmen Sie ihm einfach die Blinds und erfreuen Sie sich am Wachstum Ihres eigenen Stapels.
Falls Sie selbst einen kleinen Stapel haben, empfehle ich Ihnen, Ihr Spiel beträchtlich zu straffen. Der Grund hierfür ist jedoch nicht, dass ich glaube, Sie sollten versuchen, im Leerlauf auf einen Prämienrang zu gelangen. Vielmehr haben Sie einfach nicht genug Chips, um einen Spieler mit einem großen Stapel zu beeindrucken und zum Passen zu bringen. Sie sind einer der wichtigsten Waffen beim Bluffen beraubt: der Gefahr zukünftiger Einsätze. Ich habe es erlebt, dass Spieler mit großen Stapeln mit meinem all-in und J-3 auf der Hand mitgegangen sind als ich ziemlich knapp bei Kasse war. Versuchen Sie, eine gute Hand auszuwählen, mit der nicht viele Spieler wetteifern können, und seien Sie aggressiv mit ihr, aber versuchen Sie nicht, jemanden einzuschüchtern und zum Passen zu bringen. Das wird nicht funktionieren. Warten Sie auf eine ziemlich große Hand; die Art von Hand, mit der Sie all-in gegen jemanden spielen würden, der ziemlich locker mitgeht. Wenn Sie nicht länger warten können, wagen Sie den Sprung und beten Sie, dass Sie gewinnen.
Das Spiel bei drei bis sechs Spielern am Tisch
Wenn in einem Turnier nur noch wenige Spieler übrig sind, ist es wichtig, dass Sie Ihr Spiel an die sogenannten Shorthand Pokerprinzipien anpassen. Im Prinzip müssen Sie nur daran denken, dass Aggressivität der Schlüssel ist. Einsätze machen und erhöhen lässt Sie in einem Turnier wesentlich leichter den Pott stechen, denn Spieler machen Pleite. Sie sollten also viel unternehmen, um mehr als nur Ihren gerechten Anteil an Pötten zu ergattern.
Hierbei gibt es zwei Schlüssel. Seien Sie erstens bereitwilliger, einen Pott zu stehlen, wenn niemand bisher einen Einsatz gemacht hat. In vielen Fällen bindet der Einsatz eines Spielers diesen an den Pott und er wird mit seinem ganzen Stapel mitgehen und erhöhen (besonders wenn der erste Einsatz mehr als ein Viertel ihres Stapels ist). Das bedeutet, dass Sie ihm aus dem Weg gehen sollten, es sei denn, Sie haben definitiv die Nase vorn, wenn es ans Geld geht. Wenn jedoch noch niemand einen Einsatz gemacht hat, legen Sie ihm die Daumenschrauben an und nehmen Sie ihm seine Chips weg.
Zweitens: Wenn genug Geld auf dem Spiel steht und Sie einen Bluff erwarten, ist ein Gegenbluff durchaus eine Option. Wenn jemand mit nur 10 % seiner Chips ganz offensichtlich meinen Blind stehlen will, dann werde ich ihn wahrscheinlich mit einer großen Erhöhung abknallen, ob ich nun eine gute Hand habe oder nicht. Ohne etwas großes auf der Hand werden die meisten Spieler dann kneifen, meine Gewinnchancen sind also gut, und ich kann eine beträchtliche Anzahl Chips stehlen, wenn ich damit durch komme. Dieser Zug entmutigt andere auch, nochmal zu versuchen, Ihren Blind zu stehlen, was Ihnen einen weiteren wesentlichen Vorteil bringt.
Denken Sie daran, wenn Sie um einen Pott spielen, dass Ihre Hand gegen neun Gegner nicht genauso groß sein muss wie gegen vier; spielen Sie einfach gutes Poker. Gewinnen Sie eine Menge Pötte, indem Sie Einsätze machen und erhöhen, und vermeiden Sie es, Ihre beste Hand aufdecken zu müssen. Wenn ein Gegner bereit ist, seine Hand mit all seinen Chips zu unterstützen, kann er wahrscheinlich Ihre mittelmäßige Hand übertrumpfen, denn die meisten Turnierspieler wollen mit mittelmäßigen Händen keine großen Risiken eingehen. Seien Sie aggressiv und vermeiden Sie es vor allem mitzugehen. In einem Turnier wird das Mitgehen Ihre Chips sehr schnell vermindern.
All-ins
Die Macht eines Einsatzes, der das Potential hat, einen Gegner bankrott zu machen, ist bedeutsam. David Sklansky hat ein "System" für Turniere erfunden, bei dem ein Spieler entweder immer all-in geht oder bei jeder Hand passt. Die Spielerin, die das System spielte, schlug sich wacker im Turnier und zwang auch Gegner mit Händen wie J-J und Q-Q zum Passen, bis sie schließlich auf ein Paar Asse stieß.
Das ist ein extremes Beispiel, aber es zeigt, dass ein all-in Einsatz in solchen Spielen extrem bedeutsam ist, und Sie sollten sich den Unwillen Ihrer Gegner, mit einer einzigen Hand Pleite zu gehen, zum Vorteil machen. Anders gesagt: Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Ihnen aggressive Wetteinsätze in einem Turnier das mit Abstand Beste liefern können. Wenn Sie Kopf-an-Kopf spielen, sollten Sie häufig all-in spielen. Es ist schwierig, genaue Richtlinien zu geben, aber wenn Sie zu einem beliebigen Zeitpunkt bei weniger als 15 % Ihrer Hände all-in einsetzen, spielen Sie wahrscheinlich nicht aggressiv genug. (Ich nehme dabei an, die Blinds machen einen signifikanten Anteil Ihres Stapels aus. Falls das nicht zutrifft, sollten Sie auf keinen Fall häufig all-in setzen, es sei denn, Sie vermuten, dass Ihr Gegner ein besserer Kopf-an-Kopf Spieler ist als Sie.)
Lesen Sie Sklanskys Turnierbuch für viel mehr brauchbare Ratschläge. Ich kann unmöglich ein Buch dieses Umfangs in eine einzige Website komprimieren; noch will ich die Verkaufszahlen eines ausgezeichneten Buchs beeinträchtigen.
Preisgelder gewinnen durch Zuschauen?
In der Regel favorisiere ich eine aggressive Spielweise, um Pötte zu stehlen. Jedoch ist das genaue Gegenteil der Fall, wenn Sie mitgehen müssen. Um den Grund dafür zu verstehen, nehmen Sie an, es sind drei Spieler im Turnier übrig, jeder mit derselben Anzahl Chips im Stapel. Insgesamt 300 Euro Preisgeld wird unter den ersten drei Plätzen ausgeschüttet als € 150/€ 90/€ 60. Es ist leicht verständlich, dass jeder Spieler im Schnitt € 100 gewinnt.
Nehmen wir jetzt an, dass Spieler A und B all-in setzen und Spieler C passt. Nehmen wir weiter an, dass A und B beide eine 50 % Wahrscheinlichkeit haben, den Pott zu gewinnen. Wenn A diesen "Münzwurf" verliert, wird er € 60 für den dritten Platz gewinnen. Wenn er gewinnt, hat er eine 2:3 Chance, € 150 zu gewinnen und eine 1:3 Chance, € 90 zu gewinnen. Seine Gewinnerwartung ist also 0,5 * € 60 + 0,33 * € 150 + 0,17 * € 90 = € 95, weniger als die € 100, die er gehabt hätte, wenn er diese Hand nicht gespielt hätte. Die Erwartungen von B sind die gleichen, aber die von C steigen auf € 110, nur durch das Aussitzen seiner Hand.
Das allgemeine Prinzip dabei ist: Obgleich Sie aggressiv sein und eine Menge Pötte stehlen wollen, ist es auch sehr vorteilhaft, sich zurück zu lehnen und andere Spieler sich gegenseitig eliminieren zu lassen. Gleichzeitig wollen Sie es vermeiden, um einen Pott zu spielen, wenn die Hand eines anderen Spielers Ihrer eigenen Hand gleichwertig ist.
Zusammenfassung
Denken Sie daran, in einem Mehrtisch-Turnier ist selektive Aggressivität der Schlüsse zum Erfolg. Bei WSOP- und WPT-Veranstaltungen im Fernsehen werden Sie keine Spieler sehen, die mit Bluffs eine Menge Pötte gewinnen, weil sie gerne diese Hände überspringen zu Gunsten von aufregenden all-in Showdowns. Aber Sie dürfen damit rechnen, dass die Sieger alle eine Menge Pötte stehlen und Pötte lieber mit Bluffs gewinnen als durch Showdowns. Schützen Sie Ihren Stapel, wenn er klein ist, und greifen Sie Spieler mit kleinen Stapeln an, wenn Ihr eigener groß ist.
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